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Flexibel in den Untergang.

13.5.2013. Unternehmen müssen ja in diesen bewegten Zeiten vieles sein: schlank, innovativ, effizient, global, und, und, und. Aber vor allem müssen sie eines sein – flexibel bis zum Geht-Nicht-Mehr. Am besten gleich so flexibel, dass sie jede feste Struktur, jedes einengende Gerüst irgendeiner starren Organisation über Bord kippen. Die Firmen von heute, so das praktisch unwidersprochene Credo ganzer Heerscharen von flotten Unternehmensberatern, sollen besser heute als morgen zu geschmeidigen Projektorganisationen avancieren. Feste Teams, gewachsene Fachbereiche, etablierte Abteilungen - alles Schnickschnack, Wachstumsbremsen und komplett Old School.

Die wesentliche Eigenschaft einer Projektorganisation ist es, dass, Zitat Wikipedia, „im Gegensatz zu einer Stabsorganisation oder einer Linienorganisation eine Projektorganisation für die Dauer des Projekts gilt und keine beständige Organisationseinheit als Teil eines Unternehmens ist“. Die Idee ist charmant: Für definierte Vorhaben gruppiert eine Projektorganisation Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in immer neuen Konstellationen. Auf diese Weise bündelt sie immer wieder aufs Neue das erforderliche Wissen und die benötigte Kompetenz, um ein Projekt optimal umzusetzen. So weit die bestechende Theorie.

In der Praxis knirscht es allerdings in den projektorganisierten Unternehmen oft genug. Ein Problem: Wenn sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nur noch in Projektorganisationen bewegen, dann verliert sich innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit das Know-how der Beteiligten. Die Mitglieder der Projektteams müssen sich – genau so will es ja das Konzept – in immer neue Themen einarbeiten und diese vorantreiben. Das macht sie mittel- bis langfristig von Fachidioten zu Experten für gesundes Halbwissen. Keine Ahnung, ob das das Ziel all der schlauen Berater war, aber sie erreichen dieses Ziel jedenfalls einigermaßen zuverlässig.

Zusätzliches Manko: Eine Projektorganisation funktioniert nur auf der Basis umfangreicher Kommunikation – und die läuft in vielen Projekten ziemlich aus dem Ruder. Der Abstimmungsbedarf ist exorbitant, die Detailabsprachen türmen sich zu wahrhaft babylonischen Turmbauten. Wer regelmäßig als Mitarbeiter intern oder als externer Dienstleister in Projektorganisation agiert, der hat erlebt, wie zäh und „ergebnisoffen“ Projektmeetings sein können. Da sehnt sich manch einer die olle Fachabteilung zurück, die sich tagaus, tagein nur mit einem Themengebiet befasste, in dem sie aber immerhin fachlich total sattelfest war.

Derzeit genießt die Flexibilität in den Firmenstrategien geradezu gottgleichen Charakter. In vielen Sagen und Mythen wenden sich jedoch die Götter gegen die Menschen und bringen deren Vorhaben zu Fall. Auch der Gott der Flexibilität hat sein garstiges Haupt bereits erhoben und droht zynisch mit Sabotage. Flexibel in den Untergang – vielleicht sieht so das nächste Projekt manches Unternehmens aus.


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