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Historische Zeiten

29.5.2013. Es gibt Momente, da winselt der gemeine Medienkonsument ganz einfach nur noch um Gnade, um Ruhe, um Sendeschluss. Neuerdings stellen sich diese Momente immer häufiger ein: nämlich genau dann, wenn vor allem in Fernsehbeiträgen total begeisterte Moderatoren und Reporter das Adjektiv „historisch“ in die Kameras jauchzen. Und das ist – zumindest gefühlt - alle fünf Sekunden der Fall.

Gemessen an der Nutzungshäufigkeit des Wortes leben wir in wahrhaft historischen Zeiten. Denn es gibt kaum noch ein Ereignis, dass Medienschaffende nicht überschwänglich mit dem Prädikat „historisch“ versehen. Der Sieg des FC Bayern München in der Champions League – historisch. Die erste Homo-Ehe in Frankreich – historisch. Siege bei schrägen Schlagerwettbewerben, schnulzige Prinzenhochzeiten, schlechtes Wetter, ein Astronaut, der im Raumschiff Lieder singt, Menschen, die sich im Flugcape von hohen Bergen schmeißen – alles historisch, alles Ereignisse von geschichtlicher Wucht. Jedes noch so unbedeutende und für den Fortbestand der Menschheit und des Universums völlig belanglose Ereignis erhält dieses vermeintliche Gütesiegel. Historisch – ein Begriff stürzt in die Inflation.

Dem inflationären Einsatz des armen, unschuldigen Wie-Worts frönen im Übrigen nicht nur Fernsehjournalisten. Auch die Berichterstatter anderer Medienformate schwärmen ungehemmt von historischen Wahlen, historischen Temperaturen, historischem Schnickschnack unterschiedlichster Art. Und wenn das Historien-Geschwurbel nach Meinung der jubilierenden Medienmeute noch nicht ausreicht, die alles überragende Bedeutung eines Events herauszustellen, dann bekommt das Objekt der Berichterstattung mit ziemlicher Sicherheit auch noch das Prädikat „Kult“ angepappt. Historisch und kultig – so sieht die Welt in den Augen der Vermarktungsexperten aus.

Und dann ist er wieder da, der Moment, in dem der Medienkonsument um Gnade fleht, um technische Störungen im durchgedrehten Medienbetrieb, um professionelle und sachliche Journalisten, die einfach nur ihren Job machen. Zugegeben: Das Wörtchen „historisch“ kann nichts dafür. Aber es muss damit leben, dass man uns dazu gebracht hat, es zu hassen.


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