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Öde Inszenierungen

21.10.2013. Es gibt Zeiten, da avanciert Fremdschämen gewissermaßen zum Alltagsgeschäft. Die Phase nach Wahlen, in denen die Politik-Protagonisten sich im Ringen um die Macht so richtig aufplustern, gehört ganz ohne Frage dazu. Da haben sie dann wieder einmal ihren großen Auftritt, die Sprücheklopfer aller Parteien, die Selbstdarsteller jeglicher politischen Couleur, die Krawallschwätzer von ganz links bis rechts außen. Und der Betrachter kann gar nicht so tief in die Sofakissen versinken, wie er es angesichts all der vorgetragenen dreisten Halbwahrheiten, kommunikativen Tiefflüge und nervigen Plattitüden mitunter gerne tun würde.

Eigentlich wäre gerade in dieser Phase von den Medien kritische Distanz gefragt. Die erste Aufgabe der journalistischen Beobachter ist es schließlich, für das Publikum die Auftritte der Politpromis als das zu enthüllen, was sie in den allermeisten Fällen sind: öde Inszenierungen und wohl kalkulierte Ablenkungsmanöver. Diese Aufgabe aber erfüllen die Medien quer durch alle Gattungen immer weniger. Schlimmer noch: In vielen Fällen machen sich die Berichterstatter sogar frohgemut und (wahrscheinlich) sehenden Auges zum festen Bestandteil der Aufführungen. Da stapfen dann – bestens in Szene gesetzt von gierigen TV-Kameras - schwarze und rote Koalitionsverhandlertrupps durch Berliner Flure wie weiland die Gladiatoren auf dem Weg in den Circus Maximus. Die Bilder, die uns die Medienschaffenden hier präsentieren, sind so peinlich und blöd, dass der Begriff Fremdschämen die Reaktion des Medienkonsumenten nur unzureichend beschreiben kann.

Wie ist es um die vierte Gewalt im Staate bestellt, wenn sie sich mehr oder weniger gedankenlos gemein macht mit denen, deren Arbeit sie eigentlich kontrollieren soll? Welche Funktion hat eine vermeintlich freie Presse, wenn sie sich beispielsweise von Obertrickser Horst Seehofer ruckzuck auf die komplett kalte Fährte der Pkw-Maut setzen lässt und dieser toten Spur ins Nirgendwo auch noch tagelang eifrig schnüffelnd folgt? Mal ganz im Ernst: Geht es im Mediengeschäft noch darum, den Mächtigen auf die Finger zu klopfen? Oder geht es nur noch darum, mit richtig viel Klimbim Einschaltquoten und Verkaufszahlen anzukurbeln? Gerade in Zeiten von NSA, Finanzkrise und Euro-Schlamassel scheint es so, als hisse die Presse ergeben die weiße Fahne. Noch ein Grund zum Fremdschämen.


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