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Marodes Lügengebäude

Vor allem als pubertierender Jugendlicher mochte man es ja oft nicht wahr haben, aber: In den mehr oder weniger griffigen Sprüchen unserer Altvorderen verbergen sich doch mitunter ebenso simple wie treffende Wahrheiten. Einer der Klassiker des erhobenen Zeigefingers ist ganz ohne Frage die Feststellung „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht – und wenn er auch die Wahrheit spricht“. Diese Weisheit sollte sich der frisch gebackene Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, hinter seinen blitzeblankpolierten Spiegel stecken. Denn die tonnenschwere Botschaft, die das Zitat so federleicht transportiert, könnte dem mit allen Wassern gewaschenen Berufspolitiker noch richtig auf die Füße fallen.

Meister Juncker ist – und mit dieser Einschätzung tritt man ihm ganz sicher nicht zu nah – ein ausgewiesener Trickser vor dem Herrn. Es ist davon auszugehen, dass er auf seine politische Fingerfertigkeit richtig stolz ist. Doch wie viele stolze Menschen neigt Juncker zur Überheblichkeit. Und mit dem Adjektiv „überheblich“ ist seine Reaktion auf die „Luxemburg-Leaks-Affäre“ sogar noch freundlich beschrieben. In seiner Zeit als luxemburgischer Finanz- und Premierminister schloss das Großherzogtum – so das Ergebnis von Medienrecherchen – ausgefuchste Steuerabkommen mit internationalen Konzernen, deren klares Ziel es für die Unternehmen war, außerhalb Luxemburgs Steuern in richtig großem Stil zu sparen. Den dieser Meldung folgenden empörten Aufschrei in der europäischen Öffentlichkeit quittierte Juncker mit lässigem Abwinken: Das alles sei rechtlich völlig in Ordnung und alles im Rahmen der Gesetze. Stimmt haargenau! Denn die gesetzlichen Grundlagen dafür hatte die Juncker-Administration ja selbst geschaffen.

Ob Jean-Claude Juncker vor seiner alerten Reaktion den Rat von Kommunikationsprofis eingeholt hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Was das Ganze allerdings zur gesamteuropäischen Kommunikations-Tragödie macht: Juncker hackt als hoher Repräsentant der europäischen Politik frohgemut in die ohnehin schon tiefe Kerbe, die Finanzkrise, Schuldenexplosion und Euro-Skepsis ins europäische Fundament geschlagen haben. Europas Bürgerinnen und Bürger warten sehnsüchtig auf ehrliche politische Konzepte und Antworten, wie die gemeinsame Zukunft der Menschen unseres schönen und vielfältigen Kontinents aussehen könnte. Doch statt dieser Antworten hören sie das erbärmliche Gewäsch eines Euro-Bürokraten, der das europäische Haus als marodes Lügengebäude erscheinen lässt. Glanzleistung, Herr Präsident!

 

 

 

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