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Werbung nach Reinheitsgebot

4.8.2011. Manchmal sind Richter ja echte Spaßbremsen, beispielsweise die am Landgericht (LG) Berlin. Dabei hatten sich die Kommunikationsfachleute des deutschen Brauer-Bundes das alles so fein ausgedacht. Sie schwelgten in den Texten auf der Internetseite der Gerstensaft-Vereinigung beispielsweise vom Vitaminreichtum ihres Gebräus. Das kühle Blonde habe Vorbeugeeffekte gegen Herzerkrankungen. „Menschen, die moderat Bier trinken“, ließen die von ihren Erzeugnissen offenbar gehörig beschwingten Brauer wissen, „fühlen sich gesünder und haben mehr Lebensfreude“. Ein Zustand, der auch über den Tag hinaus andauert: „Wer moderat Alkohol genießt, ist im Alter weniger gefährdet, an Demenz zu erkranken.“

Wer bei solch euphorischen Verheißungen spontan zum Flaschenöffner greifen möchte, dem machten die ewigen Spielverderber von den Verbraucherzentralen einen dicken Strich durch den Bierdeckel: Sie zerrten die fröhlichen Brauer-Buben vor den Kadi und klagten gegen die Mut machenden Werbebotschaften. Nix Lebensfreude, nix weniger gefährdetes Altern, nix bechern gegen Demenz. Die LG-Juristen untersagten all diese Argumentationen ebenso, wie die Hinweise der Bierfraktion auf die schönheitsfördernde Wirkung des schäumenden Gesöffs, auf seine Prophylaxe gegen Gallen- und Harnstein und seinen vorbeugenden Einfluss in Sachen Osteoperose und Diabetes.

Wie es oft in solchen vertrackten juristischen Fällen ist: Die kunstvollen Argumentationen von Klägern, Verklagten und Judikative haben einen hohen Unterhaltungswert. Aus Sicht der strengen Richter beispielsweise muss der Brauer-Bund seine Werbeslogans nicht etwa unterlassen, weil die flotten Sprüche Menschen zum übermäßigen und schädlichen Alkoholkonsum verführen könnten. Nein, vielmehr verweisen die Rechtsexperten darauf, dass die Reklame wettbewerbswidrig und mit dem Recht der Europäischen Union nicht vereinbar sei. Die Brauer-Promotion verstößt also gewissermaßen gegen das Reinheitsgebot des Wettbewerbs in der EU.

Nix da, kontert der Brauer-Verein: Die Einlassungen zum Thema „Bier und Gesundheit“ seien ja gar keine Werbung, sondern vielmehr eine „zulässige Information der Öffentlichkeit“. Für Peter Hahn, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, sind die wahrheitsgemäßen und vor allem wissenschaftlich belegten Aussagen über positive gesundheitsbezogene Wirkungen von Bier schlicht und ergreifend zulässig. Denn, so seine bestechend naheliegende Begründung, diese fielen nicht unter den Anwendungsbereich der europäischen Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben.

Und wie es in solchen vertrackten juristischen Fällen dann meistens auch noch ist: Das Verfahren wird richtig kompliziert und geht in die nächste Instanz. Oder wie der Bayer sagt: O´zapft is!


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