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Weitgehend sprachlos

5.6.2013. Das nennen wir mal ohne Wenn und Aber einen Meilenstein der Sprachentwicklung: Die Uni Leipzig ist auf die sensationelle Idee gekommen, in Zukunft nur noch die grammatikalisch weibliche Form zu nutzen. Den "Herrn Professor" gibt es dann nicht mehr, sondern nur noch den "Herrn Professorin". Wir geben es an dieser Stelle unumwunden zu: Diese, sagen wir mal, verschlungene Überlegung überfordert uns intellektuell komplett. Wir hissen deshalb vorsorglich die weiße Fahne und ergeben uns nach diesem sprachlichen Guerilla-Angriff bedingungslos. Unser edles Autorenblut gehört den reißenden (weiblichen und männlichen) Wölfinnen der Universität Leipzig.

Der virtuose Vorstoß der sächsischen Sprachoptimierer kommt für uns nicht überraschend. Er bestätigt ein weiteres Mal eine Entwicklung, von der wir seit langem felsenfest überzeugt sind: Wer seiner Sprache nicht mehr Herr (oder Herrin…?) ist, der ist eines Tages auch seines Denkens nicht mehr mächtig! Manch hingeschluderter E-Mailtext oder – noch schlimmer – die zunehmende Zahl kryptischer, per Smartphone verschickter Textbotschaften nähren in uns den Verdacht, dass es den Verfassern eher ums Tempo beim Versand als um die Qualität des Inhalts geht. Soll doch der Empfänger klarkommen mit Schreibfehlern, sinnloser Interpunktion, den eingestreuten englischen Begriffen und vor allem dem – wenn überhaupt, dann nur sehr lose geknüpften – roten Faden der hastig hingeworfenen digitalen Zeilen. Hier ist Sprache nicht mehr das Mittel zum möglichst eindeutigen Austausch von Informationen, Gedanken und Ideen. Hier verkommt sie zum lustlos eingesetzten Vehikel nicht zu Ende gedachter und schon gar nicht zu Ende formulierter Informationsfragmente.

Aber was wissen wir schon, wir hoffnungslos nostalgischen Sprachbewunderer. Wir sind ja nur die, die längst vergangenen Zeiten hinterherheulen. Für uns war ein Satz noch ein Satz – ein Kunstwerk, das Bewunderung und vor allem Respekt verdiente. Die Internetgemeinde bejubelt beharrlich die knackig formulierte Weisheit „Content is king“. Nur: Kann irgendein Inhalt noch König (oder wegen uns auch Königin) sein, wenn man ihm (ihr), bildlich gesprochen, erst die Sprachkrone vom Kopf fegt und dann das Haupt gleich noch aufs Schafott der Leipziger Sprachrevolutionäre drückt? Die Antwort auf diese Frage hinterlässt uns jedenfalls weitgehend sprachlos.


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